Was ist ein Holzfaser-WDVS?
WDVS steht für Wärmedämm-Verbundsystem. Gemeint ist ein Fassadenaufbau, in dem Dämmplatte, Armierungsschicht und Putz als abgestimmtes System zusammenwirken. Beim Holzfaser-WDVS besteht die Dämmplatte aus Holzfaser.
Der Reiz liegt im diffusionsoffenen Aufbau. Wenn alle Schichten Feuchte durchlassen, kann die Wand nach außen trocknen. Einen Überblick über die Holzfaserdämmung an der Fassade finden Sie auf der Seite Holzfaserdämmung Fassade.
Der Systemaufbau von innen nach außen
Untergrund und Befestigung
Der Untergrund muss tragfähig, trocken und ausreichend eben sein. Üblich sind Mauerwerk und Holzständerwände. Die Platten werden geklebt, gedübelt oder beides: Auf Mauerwerk häufig verklebt und zusätzlich gedübelt, auf Holzuntergründen mechanisch befestigt. Welche Befestigung gewählt wird, legt das System und der Untergrund fest.
Holzfaser-Putzträgerplatte
Die Putzträgerplatte ist eine Holzfaserplatte mit einer Oberfläche, die Putz aufnimmt. Sie wird dicht gestoßen und verlegt, versetzt wie ein Mauerverband. Fugen, die nicht ganz schließen, werden fachgerecht gefüllt.
Armierung mit Gewebe
Auf die Platten kommt eine Armierungsschicht, in die ein Glasfasergewebe eingebettet wird. Sie verteilt Spannungen und hält den Putz über den Platten zusammen. An Fensterecken, Türen und Kanten werden Diagonalarmierungen und Eckprofile eingesetzt, damit die typischen Rissstellen gesichert sind.
Mineralischer oder Kalkputz
Den Abschluss bildet ein diffusionsoffener mineralischer Putz oder Kalkputz. Er schützt die Holzfaser vor Regen, lässt Wasserdampf aber nach außen. Mineralische Putze sind hart und wetterbeständig, zeigen aber wie jeder Putz im Lauf der Jahre Spuren von Wetter und Bewuchs.
Untergründe: Mauerwerk und Holz
Mauerwerk aus Ziegel, Kalksandstein oder Beton wird auf Ebenheit, Feuchte und Putzzustand geprüft. Alte Putze, Anstriche und Ausblühungen brauchen eine Vorbehandlung. Bei Holzwänden ist die Dichtheit der Außenseite wichtig, damit keine Feuchte in die Konstruktion gelangt. Lesen Sie dazu auch die Seiten Fassadendämmung im Altbau und Fassadendämmung beim Holzhaus.
Sockel und Spritzwasserbereich
Der Sockel ist die verwundbarste Zone eines WDVS. Regen spritzt vom Boden auf, im Winter kommt Schnee dazu, und von unten kann Feuchte aufsteigen. Holzfaser mag keine dauerhafte Nässe.
Deshalb setzen wir im Sockelbereich einen feuchteunempfindlichen Sockeldämmstoff ein. Die Holzfaserdämmung endet oberhalb des Spritzwasserbereichs. Dazwischen liegen eine Sockelschiene und ein sauberer Übergang, den man später nicht mehr korrigieren kann. Deshalb planen wir ihn von Beginn an und besprechen die Höhe mit Ihnen anhand des Geländes.
Anschlüsse an Fenster und Fensterbänke
Fenster sind die häufigsten Schwachstellen. Wichtig sind drei Dinge:
- Der Anschluss zwischen Rahmen und Dämmung muss dicht sein, damit weder Wasser noch Luft dahinter gelangt.
- Neue Fensterbänke brauchen ein Gefälle, einen Überstand und seitliche Anschlüsse, die Wasser sicher ableiten.
- Laibungen werden mitgedämmt, soweit der Platz reicht, und sorgfältig armiert.
Bei einem Fensteraustausch lohnt es sich, den Einbau in die Dämmebene zu legen. Das reduziert Wärmebrücken und vereinfacht den Anschluss.
Brandschutz kurz erklärt
Holzfaser ist normalentflammbar (Baustoffklasse E bzw. B2). Welche Anforderungen an die Fassade gelten, hängt von der Gebäudeklasse ab. Welches System dafür zulässig ist, regeln die Zulassung oder die Bauartgenehmigung des jeweiligen Herstellers. Wir sagen Ihnen deshalb nicht pauschal, ob etwas geht, sondern prüfen es für Ihr Gebäude. Bei höheren Gebäuden oder Grenzbebauung kann es zusätzliche Anforderungen geben.
Algen auf Putzfassaden
Algen gehören zu den häufigsten Sorgen bei verputzten Fassaden. Sie haben mit Dämmung zu tun, weil die Oberfläche kühler wird und Tau länger stehen bleibt. Ein Mangel der Holzfaser ist das nicht, sondern ein Effekt jeder gedämmten Putzfassade. Mit Dachüberstand, Sockelhöhe, Abstand zur Bepflanzung und dem passenden Putz lässt sich das Risiko senken. Wenn Sie das nicht möchten, ist die Variante hinterlüftete Fassade mit Holzfaser eine Möglichkeit.
Verarbeitung und Witterung
Ein WDVS verträgt keine Eile. Die Platten dürfen vor und nach dem Einbau nicht durchnässen, und der Putz braucht Zeit zum Abbinden und Trocknen. Bei Frost, Dauerregen oder praller Mittagssonne wird nicht verputzt. Ein Gerüst mit Netz oder Plane schützt die Fläche vor Wetter und Sonne.
Auch die Schichtdicken sind wichtig. Zu dünner Putz reißt, zu dicker trocknet schlecht. Die Hersteller geben die Werte je System vor, und daran halten wir uns.
Oberfläche, Farbe und Pflege
Mineralische Putze gibt es in verschiedenen Strukturen, vom feinen Glattputz bis zum Kratzputz. Bei der Farbe sind sehr dunkle Töne an Dämmflächen heikel, weil sich die Oberfläche in der Sonne stark aufheizt. Helle bis mittlere Töne belasten den Putz weniger.
Pflegen müssen Sie eine Putzfassade wenig. Wichtig sind eine Sichtkontrolle auf Risse und Schäden und die Pflege des Umfelds: Sträucher zurückschneiden, Spritzwasser am Sockel vermeiden, Dachrinnen sauber halten.
Wann passt das System?
Ein Holzfaser-WDVS passt, wenn Sie eine verputzte Fassade behalten oder neu bekommen möchten, der Untergrund tragfähig ist und das Haus keine besonderen Brandschutzauflagen hat. Die Kosten hängen von Fläche und Dämmstärke ab, Zahlen und Förderhinweise stehen auf der Seite Kosten der Holzfaserdämmung. Den Ablauf einer Dämmung beschreibt die Seite Ablauf.
Nächster Schritt
Berechnen Sie zuerst auf der Kostenseite einen groben Rahmen für Ihre Fassade. Danach schicken Sie uns gern eine Anfrage mit Fotos, dann schauen wir uns Untergrund, Sockel und Fenster gemeinsam an.
Stand: · Sebastian Lindner, Schreinermeister
