Fassadendämmung Altbau: diffusionsoffen und mit Augenmaß

Im Altbau entscheidet nicht nur die Dämmstärke, sondern der gesamte Wandaufbau. Wir prüfen den Bestand, bevor wir dämmen, und setzen auf diffusionsoffene Holzfaser, damit Feuchte nach außen entweichen kann.

Zweigeschossiges Haus mit frisch montierten Holzfaserdämmplatten an der Fassade, eingebauten Fenstern und Ziegeldach (Baustellenumfeld mit KI bereinigt)KI-bearbeitet: Baustellenumfeld mit KI bereinigt

Warum der Wandaufbau im Altbau zählt

Ein Altbau ist keine Neubauwand mit älterem Datum. Bestandsmauerwerk nimmt über Jahrzehnte Feuchte auf: aus Regen, aus aufsteigender Bodenfeuchte, aus der Raumluft. Solange die Wand ungedämmt ist, trocknet sie über die gesamte Dicke in beide Richtungen ab.

Wird eine Dämmung aufgebracht, die diesen Austausch stark bremst, kann die Restfeuchte im Mauerwerk gefangen bleiben. Das Mauerwerk bleibt dann länger feucht, als ihm guttut.

Holzfaserdämmplatten sind diffusionsoffen. Wasserdampf kann durch die Dämmung nach außen wandern, und das Mauerwerk kann weiter austrocknen. Das ist der Grund, warum wir im Altbau auf diesen Dämmstoff setzen. Wie der Aufbau als Wärmedämmverbundsystem aussieht, lesen Sie unter Holzfaser-WDVS, die hinterlüftete Variante finden Sie unter hinterlüftete Fassade.

Was wir vor der Dämmung prüfen

Die Dämmung ist nur so gut wie der Untergrund. Bei der Besichtigung schauen wir deshalb zuerst auf den Bestand.

Untergrund und Altputz

Trägt der alte Putz noch? Wir klopfen die Fläche ab und achten auf Hohlstellen, Abplatzungen und lose Schichten. Ein nicht tragfähiger Altputz muss entfernt oder gesondert befestigt werden, sonst trägt er die neue Last nicht.

Feuchte und Salze

Feuchteflecken, Ausblühungen und abblätternde Farbe sind Hinweise auf Ursachen, die vor der Dämmung geklärt werden müssen: defekte Regenfallrohre, fehlende Abdichtung am Sockel, aufsteigende Feuchte. Dämmen ersetzt keine Instandsetzung.

Risse

Haarrisse sind meist harmlos. Durchgehende oder wandernde Risse zeigen Bewegung im Bauwerk. Man sollte sie nicht einfach überdecken, sondern zuerst ihre Ursache einordnen.

Wärmebrücken

Typische Schwachstellen im Altbau sind auskragende Balkonplatten, Rollladenkästen, Fensterstürze und Sockelbereiche. Hier geht Wärme verloren, und hier können kalte Oberflächen entstehen. Wir prüfen, wo sich diese Stellen sinnvoll mitdämmen lassen und wo nur eine Teillösung möglich ist.

Fensterlage und Laibungen

Sitzt das Fenster tief in der Wand, wird die Laibung nach der Dämmung tiefer. Das verändert Optik und Lichteinfall. Fensterbänke müssen erneuert oder verlängert werden. Wir planen das vorab mit Ihnen durch und legen fest, wie die Laibung ausgebildet wird.

Dachüberstand

Die Dämmung trägt an der Wand auf, der Überstand wird kürzer. Ist er danach zu knapp, schützt er Fassade und Fenster nicht mehr ausreichend. Die Verlängerung ist eine Zimmererarbeit und gehört in die Gesamtplanung, nicht in die Nachbesserung.

Gestaltung und Denkmalschutz

Ein Haus verändert durch die Dämmung sein Gesicht: Fensterlaibungen werden tiefer, Gesimse, Faschen und Sockel verschwinden oder müssen neu geformt werden. Wir besprechen das vorab und halten es nach Möglichkeit nachvollziehbar fest, zum Beispiel an einem Detail am Fenster.

Steht Ihr Haus unter Denkmalschutz oder in einem Ensemble mit Gestaltungsvorgaben, klären Sie die Zulässigkeit früh mit der zuständigen Behörde. Eine Außendämmung ist dort häufig nicht oder nur eingeschränkt möglich. Das ist eine Frage der Genehmigung und nicht des Handwerks.

Sichtfachwerk

Sichtfachwerk wird nicht von außen gedämmt. Das sichtbare Holz und das Erscheinungsbild gehen sonst verloren, außerdem sind die Anschlüsse bauphysikalisch heikel. Ob und welche Lösung für Ihr Haus passt, bewerten wir nur nach Rücksprache am Objekt.

Sanierungsfahrplan und Energieberatung

Wer nicht nur die Fassade, sondern später auch Dach, Fenster oder Heizung anfasst, sollte die Reihenfolge kennen. Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) zeigt, welche Maßnahme in welcher Reihenfolge sinnvoll ist, damit sich Schritte nicht gegenseitig im Weg stehen.

Die Energieberatung ist außerdem bei der Förderung wichtig: Für den Zuschuss ist die Begleitung durch eine Energieeffizienz-Expertin oder einen -Experten erforderlich. Mehr dazu finden Sie im Abschnitt Förderung auf der Seite Holzfaserdämmung Kosten.

Schimmel und Lüftung nach der Dämmung

Die häufigste Sorge im Altbau lautet: Bekomme ich nach der Dämmung Schimmel? Die Außendämmung selbst ist selten die Ursache. Sie hebt die Temperatur der Innenoberfläche an, und warme Wände schimmeln seltener als kalte.

Problematisch wird es in zwei Fällen. Erstens, wenn Wärmebrücken wie Balkonplatten oder Fensterlaibungen ungedämmt bleiben, denn dort sammelt sich dann Kondensat. Zweitens, wenn nach dem Fenstertausch die Luft nicht mehr ausreichend gewechselt wird, weil die alten Fugen als unbeabsichtigte Lüftung wegfallen. Ein Lüftungsverhalten, das zur dichteren Hülle passt, gehört deshalb zur Sanierung.

Die richtige Reihenfolge

Im Altbau muss nicht alles auf einmal passieren, aber die Reihenfolge sollte stimmen. Faustregel: Erst die Ursachen beseitigen (Feuchte, defekte Rinnen, schadhafter Sockel), dann die Hülle verbessern, danach die Heizung dem neuen Bedarf anpassen. Eine kleiner dimensionierte Heizung ist oft wirtschaftlicher als eine große, die auf eine ungedämmte Wand ausgelegt war.

Wer Fassade, Fenster und Dach zeitlich getrennt angeht, sollte vorab festlegen, wo später die Dämmebene verläuft. So lassen sich Anschlüsse so vorbereiten, dass sie in einem zweiten Schritt nicht aufgerissen werden müssen. Genau dafür ist ein Sanierungsfahrplan gedacht.

So gehen wir vor

Am Anfang steht die Besichtigung am Haus. Danach wissen Sie, was an Ihrer Fassade nötig ist, was optional ist und was zuerst geklärt werden muss. Den weiteren Weg bis zur Montage beschreibt die Seite Ablauf, einen Eindruck von ausgeführten Arbeiten geben die Referenzen. Einen Überblick über das Thema bietet die Seite Holzfaserdämmung an der Fassade.

Ihr nächster Schritt

Eine grobe Größenordnung für Kosten und Ersparnis liefert der Kostenrechner. Wenn Sie schon konkrete Fragen zu Ihrem Haus haben, nutzen Sie das Anfrageformular oder schreiben Sie uns über die Kontaktseite.

Stand: · Sebastian Lindner, Schreinermeister

Häufige Fragen

Lohnt sich die Fassadendämmung bei älteren Baujahren?

Gerade bei ungedämmtem Mauerwerk aus den Jahrzehnten vor den ersten Wärmeschutzanforderungen ist das Einsparpotenzial meist groß, weil die Außenwand einen erheblichen Teil der Wärme verliert. Ob es sich im Einzelfall rechnet, hängt von Fläche, Zustand der Fassade und davon ab, ob Putz oder Gerüst ohnehin fällig sind.

Im Kostenrechner können Sie das für Ihr Haus durchspielen. Er zeigt eine Spanne, keine Zusage. Wirklich belastbar wird die Einschätzung erst nach einer Besichtigung des Gebäudes.

Entsteht nach der Dämmung Schimmel an den Innenwänden?

Eine fachgerecht gedämmte Außenwand wird innen wärmer, und genau das senkt das Risiko für Kondensat und Schimmel an der Wandoberfläche. Kritisch wird es bei Wärmebrücken, die ungedämmt bleiben, oder wenn nur die Fenster erneuert werden und danach zu wenig gelüftet wird.

Deshalb betrachten wir Wand, Laibungen und Anschlüsse zusammen. Bei bestehender Feuchte im Mauerwerk muss die Ursache zuerst geklärt und beseitigt werden.

Sollen die Fenster vorher oder gleichzeitig getauscht werden?

Am sinnvollsten ist es, Fenster und Fassade gemeinsam zu planen. Dann kann das neue Fenster in die Dämmebene gesetzt oder die Laibung sauber überdämmt werden, und es entstehen keine Wärmebrücken am Anschluss.

Wer die Fenster zuerst tauscht, sollte die spätere Dämmstärke schon einplanen, damit Fensterbänke und Anschlüsse nicht ein zweites Mal angefasst werden müssen.

Was tun, wenn der Dachüberstand durch die Dämmung zu kurz wird?

Die Dämmung trägt an der Wand auf, der Dachüberstand schrumpft entsprechend. Ein zu kurzer Überstand schützt Fassade und Fenster schlechter vor Regen. In diesem Fall wird der Überstand verlängert, was eine Zimmererarbeit ist.

Wir klären das bei der Besichtigung, damit es im Angebot nicht erst später auftaucht.

Kann man ein Fachwerkhaus von außen dämmen?

Sichtfachwerk wird nicht außen gedämmt, weil das Holz sichtbar bleiben und das Erscheinungsbild des Hauses erhalten werden soll. Verputzte oder verkleidete Fachwerkflächen sowie Giebel können anders zu beurteilen sein.

Wir bewerten das nur nach Rücksprache am Objekt und in der Regel gemeinsam mit einer Energieberatung und gegebenenfalls der Denkmalpflege.

Was kostet die Dämmung Ihrer Fassade?

Mit dem Rechner haben Sie in zwei Minuten eine Kostenspanne samt Förderung. Lieber gleich persönlich? Rufen Sie an.