Holzfaser oder Mineralwolle an der Fassade?

Beide Dämmstoffe sind bewährt, beide haben Stärken. Als Schreinerei sagen wir Ihnen ehrlich, wo Holzfaser die bessere Wahl ist und wo Mineralwolle gewinnt.

Der Vergleich auf einen Blick

Die Werte in der Tabelle sind übliche Spannen. Sie unterscheiden sich je nach Produkt und Hersteller. Maßgeblich sind immer die Angaben des tatsächlich eingebauten Produkts. EPS (Polystyrol) steht nur als Randnotiz daneben, weil es an Fassaden häufig vorkommt.

Merkmal Holzfaser Mineralwolle (Stein-/Glaswolle) EPS (Randnotiz)
Wärmeleitfähigkeit λ etwa 0,038–0,050 W/(mK) etwa 0,032–0,040 W/(mK) etwa 0,031–0,040 W/(mK)
Rohdichte mittel bis hoch (grob 100–250 kg/m³) Steinwolle mittel, Glaswolle niedrig sehr niedrig
Spezifische Wärmekapazität etwa 2.100 J/(kgK) etwa 800–1.000 J/(kgK) etwa 1.200–1.500 J/(kgK)
Sommerlicher Hitzeschutz sehr gut mäßig mäßig
Feuchteverhalten nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab nimmt wenig auf, verliert bei Durchfeuchtung Dämmwirkung nimmt kaum auf
Diffusionsoffenheit hoch sehr hoch gering
Schallschutz gut gut meist schwächer
Brandverhalten normalentflammbar (E / B2) nichtbrennbar (A1 / A2) je nach Produkt schwer- oder normalentflammbar
Rohstoff und Ökobilanz nachwachsend, speichert CO₂ mineralisch, energieintensive Herstellung erdölbasiert
Entsorgung meist thermisch verwertbar meist Deponie Verwertung je nach Produkt
Materialpreis (relativ) höher mittel niedrig
Verarbeitung angenehm, Staub beim Zuschnitt Fasern reizen Haut und Atemwege leicht, Staub beim Zuschnitt

Dämmwirkung: Mineralwolle hat leicht die Nase vorn

Bei der Wärmeleitfähigkeit schneidet Mineralwolle meist etwas besser ab. Je kleiner der Wert, desto weniger Dämmstoff brauchen Sie für dasselbe Ergebnis.

Holzfaser muss für denselben U-Wert also oft einige Zentimeter dicker werden. Das ist kein Mangel, aber es will eingeplant sein: bei Dachüberstand, Fensterlaibungen und Sockel.

Sommerlicher Hitzeschutz: der Vorteil der Holzfaser

Hier zählt nicht nur der U-Wert, sondern die Wärmespeicherung. Holzfaser hat mit etwa 2.100 J/(kgK) eine mehr als doppelt so hohe spezifische Wärmekapazität wie Mineralwolle. Zusammen mit der höheren Rohdichte verzögert sie die Hitze, die tagsüber auf die Fassade trifft. Sie erreicht die Innenräume erst spät, oft erst abends, wenn sich lüften lässt.

Das merkt man besonders in Dachgeschossen und in Häusern mit viel Sonneneinstrahlung. Mineralwolle dämmt im Winter gut, bremst die Sommerhitze aber weniger.

Feuchte: Holzfaser puffert, Mineralwolle reagiert empfindlich

Holzfaser ist diffusionsoffen und kann Feuchte aufnehmen und wieder abgeben, ohne gleich ihre Funktion zu verlieren. Das ist vor allem im Altbau mit Mauerwerk ein Vorteil, weil Feuchte aus der Wand nach außen entweichen kann.

Mineralwolle ist ebenfalls sehr diffusionsoffen. Sie nimmt aber kaum Feuchte auf und dämmt schlechter, wenn sie durchnässt wird. Bei beiden Stoffen gilt: Der Einbau muss trocken und fachgerecht erfolgen.

Brandschutz: hier gewinnt die Mineralwolle

Mineralwolle ist nichtbrennbar. Holzfaser ist normalentflammbar. Das ist ein echter Unterschied, und wir reden ihn nicht klein.

Ob er für Ihr Haus eine Rolle spielt, hängt vom Gebäude und vom geprüften Systemaufbau ab. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern lässt sich ein geeigneter Aufbau in der Regel finden. Bei höheren Gebäuden mit strengen Brandschutzanforderungen ist Mineralwolle oft die einfachere und sicherere Lösung.

Schallschutz: Holzfaser und Mineralwolle sind ähnlich gut

Beim Schallschutz liegen beide Stoffe nah beieinander. Holzfaser profitiert von ihrer höheren Rohdichte, Mineralwolle von ihrer faserigen Struktur. EPS ist in der Regel schwächer und kann je nach Aufbau sogar ungünstig auf den Schall wirken.

Ob sich der Unterschied im Alltag bemerken lässt, hängt vor allem von Wand, Fenstern und Standort ab, weniger vom Dämmstoff allein. Wer an einer lauten Straße wohnt, sollte das gezielt mit uns besprechen.

Der Preis: Material und Gesamtkosten trennen

Im Material ist EPS meist am günstigsten, Mineralwolle liegt in der Mitte, Holzfaser ist oft am teuersten. Dazu kommen aber Gerüst, Putz, Befestigung und Arbeitszeit, die bei jedem Stoff anfallen.

Der Unterschied am fertigen Haus fällt deshalb kleiner aus als der Unterschied am Dämmstoff allein. Eine Einschätzung für Ihr Gebäude finden Sie im Kostenrechner.

Ökobilanz, Entsorgung und Verarbeitung

Holzfaser besteht aus Restholz aus der Sägeindustrie. Das Holz hat während des Wachsens CO₂ gebunden, das im Dämmstoff gespeichert bleibt. Mineralwolle wird aus Gestein oder Glas bei hohen Temperaturen geschmolzen, EPS entsteht aus Erdöl.

Bei der Entsorgung ist Holzfaser meist im Vorteil, weil sie sich in vielen Fällen thermisch verwerten lässt. Ein echtes Recycling ist bei keinem der drei Stoffe der Normalfall.

Bei der Verarbeitung kann Mineralwolle auf der Haut jucken und die Atemwege reizen. Holzfaser ist angenehmer zu verarbeiten. Staub entsteht beim Zuschnitt aber bei beiden, deshalb gehört Atemschutz dazu.

Wann Mineralwolle die bessere Wahl ist

Wir bauen Holzfaser ein, und trotzdem raten wir in manchen Fällen zur Mineralwolle:

  • Brandschutz: Bei höheren Gebäuden oder strengen Auflagen ist ein nichtbrennbarer Dämmstoff oft die klare Lösung.
  • Schlanker Aufbau: Wenn wenig Platz ist, etwa an der Grundstücksgrenze oder bei knappem Dachüberstand, dämmt Mineralwolle pro Zentimeter besser.
  • Budget: Der Materialpreis ist meist niedriger. Konkrete Zahlen finden Sie auf der Seite Kosten der Holzfaserdämmung.

Auch bei einer Sanierung im Bestand lohnt der Blick auf das ganze Haus. Oft entscheidet nicht der Dämmstoff allein, sondern das Zusammenspiel aus Wand, Fenstern und Dach.

Wann viel für Holzfaser spricht

Für Ein- und Zweifamilienhäuser und für Altbauten, bei denen Feuchte und Sommerhitze zählen, spricht viel für Holzfaser. Sie schützt im Sommer, lässt die Wand atmen und ist ein nachwachsender Baustoff.

Wie der Aufbau aussieht, zeigen wir auf den Seiten zum Holzfaser-WDVS mit Putz und zur hinterlüfteten Holzfaser-Fassade. Mögliche Schwächen besprechen wir offen unter Nachteile der Holzfaserdämmung.

Welcher Dämmstoff zu Ihrem Haus passt, klären wir gern bei Ihnen vor Ort. Schreiben Sie uns über die Kontaktseite.

Stand: · Sebastian Lindner, Schreinermeister

Häufige Fragen

Dämmt Holzfaser bei gleicher Dicke genauso gut wie Mineralwolle?

In der Regel nicht ganz. Mineralwolle hat meist die etwas niedrigere Wärmeleitfähigkeit. Für denselben U-Wert fällt die Holzfaserdämmung deshalb oft einige Zentimeter dicker aus. Das lässt sich in der Planung berücksichtigen.

Schützt Holzfaser im Sommer wirklich besser vor Hitze?

Ja, hier liegt ein echter Vorteil. Holzfaser speichert Wärme etwa doppelt so gut wie Mineralwolle und verzögert ihren Weg ins Haus. Die Räume heizen sich im Sommer langsamer auf, besonders unter dem Dach.

Ist Holzfaser im Einfamilienhaus ein Brandschutzproblem?

Holzfaser ist normalentflammbar, nicht nichtbrennbar. Welche Anforderungen gelten, hängt vom Gebäude und vom geprüften Systemaufbau ab. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern lässt sich das in der Regel lösen. Wir klären es vor der Planung.

Ist die Verarbeitung von Holzfaser gesünder als die von Mineralwolle?

Meist angenehmer: Mineralfasern können Haut, Augen und Atemwege reizen und jucken. Holzfaser reizt die Haut kaum. Bei beiden Stoffen entsteht beim Zuschnitt Staub, deshalb tragen wir Atemschutz und arbeiten sauber.

Lassen sich Holzfaser und Mineralwolle recyceln?

Beides ist begrenzt. Saubere Holzfaser-Reste können in vielen Fällen thermisch verwertet werden, sortenreiner Verschnitt ist besser verwertbar. Mineralwolle wird meist deponiert. Welcher Weg gilt, hängt von Produkt und Region ab.

Was kostet die Dämmung Ihrer Fassade?

Mit dem Rechner haben Sie in zwei Minuten eine Kostenspanne samt Förderung. Lieber gleich persönlich? Rufen Sie an.